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Friseur


Ab und zu gehe ich zum Friesör. Am liebsten in Italien, wenn ich in Cecina bin. Da macht sich Domenico ans Werk, immer mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Er liebt Musik und schwärmt von einem freien ungebundenen Leben. Er frisiert mich schön – so schön, dass ich von mir, wenn ich mich hinterher im Spiegel betrachte, ganz begeistert bin.

Von sich begeistert sein, das tut einfach gut. Sich selbst mögen. Uneingeschränkt JA zu sich sagen, nicht ständig an sich herumnörgeln. Ja, ja, ja, die Dinge locker sehen, mit Gelassenheit und einem kecken Blick. Wenn du mitkommen würdest, dich mit deinem Stottern von Domenico frisieren ließest, wir würden dich nicht wiedererkennen. Und Dein Stottern wahrscheinlich auch nicht. Vielleicht knobeln wir hinterher, du und ich, wer Domenico in seine Hostentasche stecken darf, um ihn immer bei sich zu haben, wenn man schön aussehen und sich gut fühlen will. Manche Menschen, ob sie nun stottern oder nicht, frisieren ihre Autos. Aber wir bleiben lieber gemächlich, das tut der Kommunikation besser. Manche Menschen kennen Tricks, wie man sich selbst in gute Stimmung bringt, ohne zum Friesör gehen zu müssen. Sich gut zureden. Oder im Stillen bestimmte Leitsätze aufsagen. Oder sich durch eine Entspannungsübung in einen ausgeglicheneren Zustand versetzen. Oder sich nach einem Kuss umsehen. Manche verreisen in der Fantasie an einen exotischen Sommerstrand mit Palmen, genießen ihre Imaginationen von wohligen Ruhebildern. Wer unabhängig und selbstbestimmt seine Stimmungslagen aufhellen möchte, braucht solche Zufriedenheits-Macher. Ich jedenfalls gehe gerne zu Domenico.

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