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Warum nicht in der ersten Reihe sitzen?


Warum nicht in der ersten Reihe sitzen? Warum nicht ganz vorne dabei sein? Du hast es verdient, gesehen zu werden. Und die Dinge, die passieren, aus nächster Nähe mitzuerleben. Na gut, im Kino ist das was anderes. Da versteht jeder sofort, warum du dich nach hinten setzt. Aber bei anderen Veranstaltungen, verdrückst du dich da lieber auch in den Hintergrund? Ich kenne das von mir: Dritte Reihe, ja, das ginge gerade noch, besser fünfte Reihe oder siebente oder ganz hinten. Ganz hinten ist richtig entspannt. Da hat man den Überblick. Da erkennt einen keiner, da ist man in der Regel ungestört.


Komisch mit den Reihen und den Sitzplatz-Vorlieben. Das hat ja nichts mit Stottern zu tun. Oder? Vielleicht hängt das eher mit den Klamotten zusammen, ob man sich darin ausreichend wohl fühlt. Oder mit den Haaren, ob die gut sitzen. Das behauptet jedenfalls Johann, der ständig mit seiner Tolle zu tun hat. Silvi hingegen meint: Nix wie erste Reihe! Auf den Präsentierteller, klar. Alle sollen mich sehen. Kein Wunder denke ich, Silvi ist es leid, nun schon drei Monate solo zu sein.


Und du? Willst du die Vorsicht sausen lassen, ins Licht treten, mehr Beachtung wagen, dich selbst aus der Reserve locken? Wie man das macht, fragst du dich? Nun, ganz einfach. Setze dich in die erste Reihe, probiere es aus. Wiederhole es. Wiederhole es mehrmals. Vielleicht passt der Vordergrund besser zu dir als der Hintergrund? Oder lauf quer durch einen vollbesetzten Raum, statt dich an der Wand entlang auf Zehenspitzen zu einem freien Stuhl zu schleichen. Oder lass das vornehme Murmeln, wenn du einen kleinen Laden betrittst, sag das „Hallo“ laut und für alle vernehmbar. Exponiere dich, trau dich! Zum Beispiel im Büro, wenn du am Telefon englisch sprechen musst, bleib mit deinem Handy im Raum, auch wenn Kolleginnen und Kollegen anwesend sind. Oder…. Oder…. Oder…. Es gibt so viele Möglichkeiten, die dezente Zurückhaltung aufzukündigen. Einen Pfiff frecher zu lächeln, jemandem einen Blick länger als üblich zuzuwerfen, ja, werfen, sich nach vorne zu werfen, hier bin ich, ihr könnt mich ansehen, ich halte der Beachtung stand. Stand, ja, ich bin standhaft – selbst in der ersten Reihe.


Zu den Gewohnheiten, mit denen wir leben, gehören natürlich unsere vielen Vermeidungen, die uns oft gar nicht mehr auffallen. Dabei macht uns das Stottern immer wieder aufmerksam auf die Vermeidungen, die sich eingeschliffen haben: Da, wo du üblicherweise Kommunikation vermeidest, ist das Stottern besonders stark. Eigentlich klare Sache: Blockaden mahnen uns, genau diese Kommunikationssituationen öfter aufzusuchen. Das Stottern sagt dir unmissverständlich, hier geht’s lang, hier gilt es Erfolge zu sammeln, hier gilt es mehr zu sprechen, neue Schritte zu wagen. Oder, wie es so schön heißt, nicht länger um den heißen Brei zu schweigen. – Soweit das Thema „Erste Reihe“.


P.S.: Übrigens: Weißt du schon? Es gibt die Trainingsgruppe ErsteReihe, eine Online- Selbsthilfegruppe für Mutige, die du kostenfrei über abenteuer stottern nutzen kannst. Melde dich an! Sie startet Anfang September. Almut und Christian warten auf dich.

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